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Geschichte

Die SPD: Seit mehr als 110 Jahren gestaltende Kraft in Steinenbronn

Verehrte Besucherinnen und Besucher,

vielen Dank für Ihr Interesse an der SPD Steinenbronn, die seit 110 Jahren die Ortsgeschichte mitgestaltet. Dieses lange Wirken verdient einen würdigenden Rückblick auf die Arbeit unserer Vorgänger, eine Betrachtung dessen, was sie umgetrieben hat und was sie erreicht haben.

Es ist unvermeidlich, dass der Rückblick über ein Jahrhundert mit zwei Weltkriegen und Zeiten nationalsozialistischer Verfolgung unvollständig bleibt. Wo wir keine Unterlagen vorgefunden haben, waren wir auf mündliche Überlieferungen und Erinnerungen älterer Steinenbronner angewiesen. Besonderen Dank schulden wir dabei dem 2009 verstorbenen Steinenbronner Ehrenbürger Paul Schwarz, der uns bei der Beschaffung von Informationen geholfen, aus dem Fundus seines heimatgeschichtlichen Wissens beraten und vor Fehlern bewahrt hat. Für weitere Hinweise, Bilder oder Dokumente zur Ergänzung der bisherigen Erkenntnisse sind wir nach wie vor sehr dankbar. Wir sind auch offen, zu korrigieren, wo wir uns geirrt haben sollten.

Schön wäre es, wenn diese Chronik auch über SPD-Kreise hinaus breites Interesse finden würde. Beschäftigung mit der Geschichte lohnt sich immer, getreu der alten Historikerweisheit: Wer nicht weiß woher er kommt, weiß auch nicht wohin er geht. Vielleicht können wir mit unserem Markstein ein Stück weit zur allgemeinen Orientierung beitragen.

Hans Dieter Köder
Verfasser dieser Chronik

 

Seit 1903: Die SPD als gestaltende Kraft in Steinenbronn - Beginn im vordemokratischen Kaiserreich

Als am Anfang des 20. Jahrhunderts die Industrialisierung in der 18 km entfernten Landeshauptstadt Stuttgart mit Macht voranschritt, waren die Lebensverhältnisse der damals etwa 950 Einwohner zählenden Gemeinde Steinenbronn noch äußerst armselig. Die Bevölkerung, meist kleine Bauern und Tagelöhner, ernährte sich kärglich von den Früchten der Felder, vom Steine klopfen in den Steinbrüchen und auf verschiedene Weise vom Wald.

Viele der jungen Männer sahen deshalb in der durch die Industrialisierung ausgelösten regen Bautätigkeit eine Chance zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse und arbeiteten in der Stadt als Maurer und Hilfsarbeiter. Es gab aber in dieser Zeit noch wenige und nur primitive Verkehrsmittel, und so mussten diese Männer am Montag um 2 Uhr nachts zu Fuß, mit ihrem Proviant für die ganze Woche auf dem Rücken, den Weg nach Stuttgart antreten, wo die Arbeit seinerzeit von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr dauerte. Der langen Abwesenheit in schlechten Unterkünften überdrüssig, kauften einige, meistens auf Abzahlung, ein um diese Zeit nicht gerade billiges Fahrrad, und allmählich belebten Radfahrer die damals mit Schotter eingeworfenen Straßen.

 

In diesen Jahren sozialer Not und politischer Bewusstseinsbildung entstanden vielerorts sozialdemokratische Arbeitervereinigungen, so auch in Steinenbronn. Am 29. Juni 1900 gründeten 24 Steinenbronner Bürger den Arbeiter-Turnverein mit Wilhelm Wenger als 1. Vorsitzenden. Wenig später entstand im Jahr 1902 der Radfahrerverein Vorwärts, der 1912 im Arbeiter Radfahrerverein Solidarität aufging. Der landesweit organisierte Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität“ bot neben dem Radsport – der sich bei den belastenden Arbeitsbedingungen zwangsläufig in engen Grenzen hielt - einen elementar wichtigen Versicherungsschutz für Fahrrad und Fahrer. Zwischen den Arbeitervereinen und der Sozialdemokratie bestand wegen der gleichgerichteten kulturellen und sozialen Ziele eine enge personelle Verbindung; beide waren Teil der aufstrebenden Arbeiterbewegung.

Die Ziele der seit 1863 bestehenden Sozialdemokratie wurden allerorten, so auch in Steinenbronn, heftig diskutiert. Den Arbeitern wurde dabei immer klarer, dass sie nur durch gezielte Massenaktionen eine Chance hatten, ihre existenziellen Forderungen durchzusetzen. Einzeln waren sie machtlos, gemeinsam aber stark. "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will" hieß es in einem Kampflied der organisierten Arbeiterschaft. Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes im Jahr 1890 folgte eine neue Gründungswelle. Schließlich war es dann auch in Steinenbronn soweit:

 

Am Sonntag, dem 15. Juni 1903, trafen sich im Gasthaus "Zum grünen Baum" viele Steinenbronner Bürger und gründeten einen "sozialdemokratischen Verein Steinenbronn". Sofort schrieben sich 30 Mitglieder in die Liste ein und wählten den Vorstand: Gottlob Steck als Vorsitzenden, Gustav Eberwein als Kassierer, Wilhelm Wenger als Schriftführer, Reinhold von Au und Wilhelm Knapp als Beisitzer.

 

Die Mitglieder des sozialdemokratischen Vereines hatten das Ziel und den Wunsch, ihre politischen Vorstellungen auch in die Gemeinderatsarbeit einbringen zu können. Sie stellten ein kommunalpolitisches Programm und Kandidaten für die Gemeinderatswahl am 15. Dezember 1905 auf. Dadurch entstand große Aufregung, denn die als sicher geltenden Sitze der etablierten "bürgerlichen" Mehrheit waren zum ersten Mal gefährdet.
Der nachstehende ironische Pressebericht der sozialdemokratischen Zeitung "Schwäbische Tagwacht" vom 21. Dezember 1905 gibt ein anschauliches Bild über die aufgeheizte Stimmung bei dieser "Agitation zur Gemeinderatswahl" in Steinenbronn, wo die SPD trotz scheinbarer Einigkeit in Sachfragen fragwürdige "Machinationen" (Machenschaften) ihrer Gegner zu beklagen hatte. In Wirklichkeit war es ein verbissener Kampf um die Mitwirkungsrechte der bis dahin von der Kommunalpolitik völlig ausgeschlossenen Arbeiterschaft. Die auf das Reich bezogene Machtfrage spiegelte sich hier auf der unteren Ebene, wo über konkrete Lebensumstände entschieden wird, in ihrer ganzen Härte wieder, wenngleich sich der Bericht (siehe unten) eher spaßig darstellt.

Die Sozialdemokraten hatten sich bei dieser Kommunalwahl von 1905 achtbar geschlagen, aber noch keinen Sitz im Gemeinderat errungen; diese sollte erst einige Jahre später gelingen.

 

 

 

 


Adlerwirt August Schmid - Erster Gemeinderat der SPD

Im Jahr 1908 schloss sich der Sozialdemokratische Verein der inzwischen formierten Sozialdemokratischen Partei Württembergs an. Den Vorsitz übernahm von 1908 bis 1916 der damalige Adlerwirt August Schmid (Bild links), der zum 1. 1. 1912 als erster Sozialdemokrat in den Gemeinderat von Steinenbronn gewählt wurde, nach dem 1. Weltkrieg jedoch zur USPD und später zur KPD wechselte. Als Mitglied der KPD wurde er politisch verfolgt und zweimal interniert, 1921 und 1933. Kassierer blieb der Steinhauer Gustav Eberwein. Die Funktion des Schriftführers übernahm der Schreiner Karl Schuldt, der am 1.1.1926 auch in den Gemeinderat einzog und dort wirkte, bis er im Juli 1933 wegen seiner Zugehörigkeit zur SPD zum Ausscheiden gezwungen wurde.

Von dem Ortsvereinsvorsitzenden August Schmid liegt eine schriftliche Anzeige an das "verehrliche Schultheißenamt" vor, in dem er eine Versammlung im Gasthaus 'Zum Löwen' mit dem damaligen SPD Landtagsabgeordneten Albert Pflüger zum Thema "Die sozialen Aufgaben während des Krieges" anmeldet. Am 21. März 1915 sprach Pflüger wieder im Gasthaus "Zum Löwen" zu den Steinenbronner Bürgern, diesmal über das Thema: "Die Beschlagnahme der Nahrungsmittelvorräte".
Die politischen Veranstaltungen bedurften zwar keiner förmlichen Genehmigung, jedoch gab es eine Weisung des württembergischen Innenministers, jede von der Sozialdemokratie veranstaltete oder besuchte Versammlung von der Polizei zu überwachen. Art und Umfang der Kontrolle oblag dem Ermessen der Polizeibehörde. Bis 1908 mussten jedoch die Kreisregierungen jährliche Berichte über die Tätigkeit der Sozialdemokratie an das Innenministerium schicken. Zudem wurden die Kreisregierungen aufgefordert, durch soziale Einrichtungen wie Kinderkrippen und Volksbäder die Bürger dem Einfluss der Sozialdemokratie zu entziehen. Sozialpolitisch war dies, ähnlich wie die bismarckschen Sozialgesetze, ein indirekter Erfolg der Sozialdemokratie, die im Jahr 1913 in Württemberg bereits 39.000 Mitglieder und ständig weiteren Zulauf hatte (Quelle: Landeszentrale für politische Bildung).
Der bereits dem Gründungsvorstand angehörende Maurermeister und Bauer Wilhelm Wenger hatte unter den Sozialdemokraten einen führenden Namen. Als Vorsitzender des "Filder-Arbeiter-Turnerbundes" hatte er viele Verbindungen zu den anderen Filderorten. In den Gemeinderat Steinenbronn zog er am 1. 1. 1923 ein. Mit Wilhelm Wenger wurde am 17. Dezember 1922 auch der Sozialdemokrat Ludwig Schwarz in den Gemeinderat gewählt; letzterer war bereits 1920 in das Gremium nachgerückt

 


Personen (v.l.n.r.): Wilhelm Wagner (SPD), Ernst Schuldt (SPD), Johannes Wacker (Bauernbund), Schultheiß Gotthilf Knaus, Ludwig Schwarz (SPD), Karl Schuldt (SPD), ein Vertreter der Reichsbahndirektion

In den Jahren 1928 bis 1933 wirkten in Steinenbronn jeweils fünf Sozialdemokraten unter insgesamt 12 Gemeinderäten mit. Auf einer dokumentarischen Fotografie anlässlich der Bahnhofseinweihung der "Schönbuchbahn" in Steinenbronn im Jahr 1928 befinden sich unter anderen vier sozialdemokratische Gemeinderäte.

 

In den Wirren der Weimarer Republik und der nachfolgenden Naziherrschaft

Im Verlauf der Zwanziger Jahre verschärfte sich die politische Lage in Deutschland. Die Zerrüttungen durch die Wirtschaftskrise und das Aufkommen des Nationalsozialismus führten zu einer immer schlimmeren Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung. Die erste deutsche Republik geriet in ernste Gefahr. In dieser Situation gründeten die Sozialdemokraten Hörsing und Höltermann im Jahr 1924 das "Reichsbanner Schwarz Rot Gold", kurz "Reichsbanner", als einen Wehrverband zur Verteidigung der Weimarer Republik, vor allem auch als Schutz gegen Übergriffe der nationalsozialistischen SA-Horden. Auch in Steinenbronn bestand eine örtliche Organisation des "Reichsbanners". Ihr gehörten etwa 20 Mitglieder, in der Mehrzahl Sozialdemokraten, an.

Zu einem Zwischenfall, der die damalige Situation beleuchtet, kam es im Jahr 1932, als für die SPD Kurt Schumacher im Gasthaus zum "Löwen" auftrat. Kurz vor Beginn der Veranstaltung rückten nach dem Bericht eines Augenzeugen 14 oder 15 Lastwagen mit einem SA Störtrupp an. Gleich am Ortseingang gab es Schlägereien, die sich bis zum "Löwen" fortsetzten. Die SA versuchte den Löwen Saal zu stürmen. Nach kurzer Unterbrechung konnte aber das "Reichsbanner" die Fortsetzung der Veranstaltung gewährleisten.
Bei den Reichstagswahlen von 1932 waren auch in Steinenbronn die Folgen der politischen Radikalisierung nicht mehr zu übersehen. Zwischen Nationalsozialisten auf der einen und Kommunisten auf der anderen Seite konnten sich die Sozialdemokraten als ausgleichende Kraft nicht mehr durchsetzen. Das Ende der Weimarer Republik war unaufhaltsam geworden.

 

Verfolgung in der Nazizeit


Ludwig Schwarz - 23 Jahre Mitgliedschaft im Steinenbronner Gemeinderat

Nach der Machtergreifung von Hitlers Nationalsozialisten und verstärkt nach der Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion begann die Verfolgung der Sozialdemokraten. Bereits im Februar 1933 wurden im ganzen Filderraum Razzien und Verhaftungen vorgenommen. Auch in Steinenbronn rückte ein Lastwagen mit SA und Polizei an. Sie sperrten den Weg zum Bahnhof, vollzogen Hausdurchsuchungen und führten vier Kommunisten nach Stuttgart und später in das Konzentrationslager Heuberg bei Stetten am Kalten Markt ab. Ein fünfter wurde unterwegs von der Feldarbeit weg verhaftet und mitgenommen. Ein kommunistischer Gemeinderat konnte sich nach Stuttgart absetzen, wurde jedoch wenige Tage später ebenfalls auf den Heuberg verbracht.

Auf dem Heuberg trafen die Inhaftierten auf den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Albert Pflüger, der zur gleichen Zeit festgenommen worden war. Für den letzten der Inhaftierten aus Steinenbronn endete die Haft nach 6 Monaten, nicht jedoch für den Abgeordneten Pflüger.

Der Gemeinderat Ludwig Schwarz (Bild links oben) war verhaftet und erst nach mehrtägiger Vernehmung auf dem Stuttgarter Polizeipräsidium wieder freigelassen worden. Sein Sohn, unser Ehrenbürger Paul Schwarz, hat sehr viel zur Erforschung und Dokumentation der Ortsgeschichte beigetragen. Mit einem im Dezember 1995 herausgegebenen Gedenkblatt hat er auch die von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Steinenbronner Bürger vor der Vergessenheit bewahrt und ihnen ein würdiges Andenken geschaffen, das Respekt und Anerkennung verdient. Möge es nicht in den Archiven des Rathauses untergehen.

 

Nach dem 2. Weltkrieg


1. Bürgermeister nach dem 2. Weltkrieg: Gottlob Krauß

Der Zweite Weltkrieg hatte auch in unserer Gemeinde starke Wunden geschlagen. Kriegsschäden waren zu beseitigen. Durch den Zuzug von Flüchtlingen war die Einwohnerzahl sprunghaft von 1300 auf 1930 angewachsen. Für die Neubürger, die zunächst in Notunterkünften untergebracht waren, musste Wohnraum geschaffen werden. Dabei war die Gemeinde arm und die Zukunft ungewiss.
Auch die öffentlichen Einrichtungen waren in einem schlechten Zustand. Das alte Rathaus war für die Bedürfnisse der größeren Einwohnerschaft zu klein, ebenso die beiden Schulgebäude. Die Ortsstraßen waren mit Ausnahme der Stuttgarter und der Tübinger Straße noch nicht mit Teerbelag versehen. Das Abwasser floss in "Kandeln" (offenen Rinnen) in den Klingenbach. Die Wasserversorgung war für die größere Bevölkerung völlig unzureichend.

Als ersten Nachkriegsbürgermeister wählte der Gemeinderat von 1945 bis 1950 den Schreinermeister Gottlob Krauß (Bild links oben), der von 1920 bis 1933 Gemeinderat gewesen war, ursprünglich bei der SPD und später bei der KPD, um nach seiner Vorstellung den Widerstand gegen die NSDAP zu verstärken. Im folgte nach seinem Verzicht auf eine weitere Kandidatur ab 1950 der in der ersten Volkswahl gewählte parteilose Verwaltungsfachmann Reinhold Buck bis 1980.

Unter dargestellten Voraussetzungen hatte eine Zeit des mühevollen Aufbaus begonnen. Zahlreiche öffentliche Einrichtungen wurden neu geschaffen oder erweitert.
In den sechziger Jahren setzte wie in anderen Gemeinden des Ballungsraums Stuttgart ein stürmisches Wachstum ein. Zwischen 1960 und 1978 vergrößerte sich die Einwohnerzahl um 2 000 auf rund 4 700; der Wohnungsbestand verdreifachte sich gegenüber 1950. Das bedeutete die Erschließung großer Bauflächen und die Schaffung neuer öffentlicher Einrichtungen: weitere Schulräume und Kindergärten, einen neuen Bauhof, die Erweiterung der Kläranlage, Straßenunterführungen an der damaligen Bundesstraße 27, Erschließung des Gewerbegebiets Kring, Bau eines neuen Sportgeländes.

Der Gemeinderat hatte laufend wichtige Entscheidungen zu treffen. Der Gemeindehaushalt wuchs von 130 000 DM im Jahr 1950 auf 10,4 Millionen DM im Jahr 1978. Mit dem Jahr 1978 wurde nach der Zeit des Aufbaus und des Wachstums eine neue Phase der Gemeindepolitik eingeleitet. Die Ortskernsanierung sollte auf Jahre hinaus alle Kräfte auf die innere Erneuerung unserer Gemeinde konzentrieren.

Die SPD hatte nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sogleich wieder großen Anteil an der Aufbauarbeit. Durch die sudetendeutschen Heimatvertriebenen stieg ihre Mitgliederzahl auf etwa 25. Nach der ersten Gemeinderatswahl im Jahr 1947 waren unter 12 Gemeinderäten fünf Sozialdemokraten, darunter zwei sudetendeutsche Neubürger: Richard Pietschmann und Richard Anders. Die Eingliederung der Flüchtlinge wurde dadurch schon in den ersten Jahren wesentlich erleichtert.
In den folgenden Jahren zeigte sich jedoch, dass die SPD aus den durch den Krieg ohnehin dezimierten Jahrgängen nicht genügend jüngere Mitglieder gewinnen konnte und dadurch den Generationenwechsel nur schwer verkraftete. Bei der Gemeinderatswahl am 8. Januar 1951 schieden Karl Fritz und Richard Anders ohne sozialdemokratische Nachfolger aus dem Gemeinderat aus. 1953 verließen drei weitere Sozialdemokraten den Gemeinderat: Ernst Schuldt, der für Richard Pietschmann nachgerückt war, sowie Otto von Au und Gottlieb Maier. An ihrer Stelle zog von der Liste der SPD nur Paul Schuldt neu ein. Erst 1962 folgte mit Hermann Schuldt wieder ein zweiter Sozialdemokrat. Als bei den Gemeinderatswahlen von 1965 und 1968 keine SPD Listen zustande kamen, wurden Paul Schuldt und Hermann Schuldt erstmals auf Listen der Freien Wählervereinigung gewählt.

 

Neubeginn 1971


75-Jahrfeier der SPD Steinenbronn am 28.10.1978 mit Grußwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Dürr (links)

Im Frühjahr 1971 machte sich eine neue Generation von Sozialdemokraten an den Neubeginn. Am 5. April 1971 trafen sich im damaligen Gasthaus "Rössle" in der Tübinger Straße fünf von insgesamt sieben SPD Mitgliedern aus Steinenbronn, um den SPD Ortsverein Steinenbronn neu zu gründen. Gäste waren der damalige SPD Kreisvorsitzende und spätere Landtagsabgeordnete Werner Grunert aus Böblingen sowie weitere Vertreter des Kreisvorstands. Als erster Ortsvereinsvorsitzender wurde Ottmar Emhardt, als sein Stellvertreter Dieter Köder und als Kassierer Lothar Rudischhauser gewählt. Hannelore Köder wurde Schriftführerin.
Schon kurze Zeit nach der Neugründung kamen neue Mitglieder dazu und der Ortsverein erlebte einen erstaunlichen Aufschwung. In den folgenden Jahren, zur Zeit der sozialliberalen Bundesregierung mit dem Bundeskanzler Willy Brandt zählte er knapp 40 Mitglieder. Der Ortsvereinsvorsitz wechselte 1973 auf Dieter Köder und 1974 auf Reinhard Brakhage. Ihm folgten nach seinem Wegzug im Jahr 1986 Hans-Albrecht Wittmer, Edeltraut Müller, Anneliese Heise und ab 2001 wieder Dieter Köder. Im Oktober 1978 hatte der SPD-Ortsverein sein 75-jähriges Jubiläum mit Erhard Eppler als Festredner gefeiert.

 


Gemeinderatsfraktion 1980 (v.l.n.r.): Reinhard Brakhage, Margarete Hoppe, Dieter Köder (Vorsitzender), Rudolf Brodbeck

Der neu formierte Ortsverein wagte sogleich den Sprung ins kalte Wasser und beteiligte sich an der Gemeinderatswahl am 24. Oktober 1971. Die neue SPD Liste erhielt auf Anhieb 2207 Stimmen und Ottmar Emhardt, der spätere Bürgermeister von Wolfschlugen, zog in den Gemeinderat ein. Mit 21 Jahren war er seinerzeit der jüngste Gemeinderat in Baden Württemberg.
Bei der zugleich stattfindenden Kreistagswahl konnte sich dagegen kein SPD Bewerber aus Steinenbronn, der kleinsten Gemeinde des Wahlkreises (Leinfelden, Musberg, Steinenbronn, Waldenbuch, Schönaich), durchsetzen. Bei der Kreistagswahl am 8. April 1973 schaffte ebenfalls kein Steinenbronner Sozialdemokrat den Sprung in den Kreistag. Als am 1. Januar 1975 Leinfelden und Musberg in die neue Stadt Leinfelden- Echterdingen eingegliedert und dem Kreis Esslingen zugeordnet wurden, rückte Dieter Köder in den Böblinger Kreistag nach, ohne diese Position bei der folgenden Kreistagswahl 1979 behaupten zu können.

Die Gemeinderatswahl am 20. April 1975 brachte einen großen Erfolg. Die SPD erzielte 6288 Stimmen und stellte mit Ottmar Emhardt, Dieter Köder und Reinhard Brakhage drei Gemeinderäte. Die mühevolle Aufbauarbeit hatte sich gelohnt. Nachdem Ottmar Emhardt zum Bürgermeister von Wolfschlugen gewählt worden war und am 13. Juni 1978 aus dem Gemeinderat ausschied, rückte für ihn Rudolf Brodbeck nach; er kandidierte nach 16 Jahren bei der Wahl 1994 nicht mehr.

Bei der Gemeinderatswahl 1980 kam mit Margarete Hoppe sogar ein viertes Fraktionsmitglied der SPD dazu. Nach ihrem Wegzug im September 1985 rückte für sie Edeltraut Müller nach. Als Nachrücker von Reinhard Brakhage zog von 1986 bis 1992 Klaus Deininger in den Gemeinderat ein, ihm folgte nach seinem Wegzug 1992 Anneliese Heise, die mit einer Unterbrechung von 2 Jahren neben Edeltraut Müller seit der Wahl 1999 die SPD-Vertretung bildete, nachdem Thomas Stierle, Gemeinderat seit 1994, bei der Wahl im Jahr 1999 aus familiären Gründen nicht mehr kandidierte. Dieter Köder war im April 1996 nach fast 21jähriger Gemeinderatsarbeit ausgeschieden.

 

Ein Steinenbronner wird Landtagsabgeordneter


MdL Köder (rechts) mit dem früheren Wirtschaftsminsiter Dr. Spöri

Von 1980 bis 1996 hat mit Dieter Köder ein Steinenbronner Sozialdemokrat unseren Wahlkreis Böblingen im Landtag von Baden-Württemberg vertreten. Er war für die Landtagsfraktion der SPD zunächst finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher, dann von 1988 bis 1992 Parlamentarischer Geschäftsführer neben dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Dr. Dieter Spöri. In der darauf folgenden großen Koalition war er bis 1996 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für die parlamentarische Koordination der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung verantwortlich. 1995 war er Vorsitzender einer großen Multimedia-Enquetekommission des Landtags.

Als Parlamentarischer Berater (Parlamentsrat) des Landtags von 1970 bis 1980 hatte Dieter Köder sein Handwerk gründlich gelernt, und als Abgeordneter war er wegen seiner Fachkompetenz und Sachlichkeit bei allen Fraktionen geachtet. 1996 verzichtete er auf eine weitere Landtags-Kandidatur mit der Feststellung, von solchen Wahl-Ämtern auf Zeit solle man abtreten, „so lange es noch bedauert wird“.

 

Im Zeichen der personellen Erneuerung - Kommunalwahl 2004 & 2009


Dieter Köder - seit mehr als 40 Jahren Mitglied in der SPD

Nachdem Edeltraut Müller nach 19-jähriger Gemeinderatsarbeit ihren Entschluss bekannt gab, bei der Gemeinderatswahl 2004 nicht mehr zu kandidieren, war ein völliger personeller Neuaufbau notwendig geworden. Edeltraut Müller wurde für ihre Gemeinderatsarbeit mit der Bronzenen Bürgermedaille der Gemeinde Steinenbronn ausgezeichnet. Der neue Wahlvorschlag der SPD enthielt in der Spitze neben der weiter kandidierenden Gemeinderätin Anneliese Heise eine Reihe neuer Gesichter, die erst bekannt gemacht werden mussten.

Unter diesen Bedingungen konnte die SPD Steinenbronn ihre beiden Gemeinderatssitze zwar halten, aber nicht wie erhofft einen dritten Sitz hinzugewinnen. Wieder gewählt wurde Anneliese Heise. Neu hinzu kam Michael Karolczak, der Vorsitzende des Trägervereins des Aktivspielplatzes.

Am 8. November 2005 schied Anneliese Heise nach 11 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Gemeinderat aus. Für sie rückte Manfred Kosbi nach. Anneliese Heise wurde mit der Bronzenen Bürgermedaille der Gemeinde Steinenbronn ausgezeichnet.
Am 5. Dezember 2005 wurde Dieter Köder in Würdigung seiner mehr als 30-jährigen ehrenamtlichen Arbeit an der Spitze der SPD Steinenbronn mit der Bürgermedaille in Gold der Gemeinde Steinenbronn ausgezeichnet.

Bei der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 ist es der SPD gelungen, ihre Fraktion wieder auf drei Gemeinderäte zu vergrößern. Andrea Knappe, die in der vorausgegangenen Wahlperiode auf der Liste der Freien Wählervereinigung in den Gemeinderat gewählt worden war, hatte sehr gut und vertrauensvoll mit der SPD-Fraktion zusammengearbeitet und wechselte zur Gemeinderatswahl 2009 auf die Liste der SPD Steinenbronn. Die Wähler respektierten diesen konsequenten Schritt. Andrea Knappe konnte ihren Stimmenanteil um fast ein Drittel vergrößern. Ebenfalls mit Stimmenzuwachs wurden Michael Karolczak und Manfred Kosbi wiedergewählt.

16. Oktober 2009: Der alte Fuhrmann tritt ab:
Führungswechsel bei der SPD Steinenbronn

Der langjährige Vorsitzende Hans Dieter Köder, der für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt und für seine Leistungen mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet wurde, gab den Vorsitz ab. An seiner Stelle wurde Andrea Knappe einstimmig als neue Vorsitzende gewählt. Ihre Stellvertreter sind Dieter Menzel und Lisa Kucher. Kassiererin wurde Anja Schumacher und Beisitzer im Vorstand sind Hartmut Gänß, Anneliese Heise und Alan-Lee Perkins.

Am 1. März 2011 schied Manfred Kosbi wegen gestiegener beruflicher Belastung aus dem Gemeinderat aus. Für ihn rückte Dieter Menzel nach.
Am 18. November 2011 wurden Anja Schumacher als neue Vorsitzende und Dieter Menzel und Andrea Knappe als ihre Stellvertreter gewählt. Kassiererin wurde Lisa Kucher, Schriftführer Manfred Kosbi. Beisitzer blieben Hartmut Gänß und Anneliese Heise.

Am 30. November 2012 wählte die Mitgliederversammlung folgenden Vorstand:
Vorsitzender: Manfred Kosbi
Erster stellvertretender Vorsitzender: Dieter Menzel
Zweite stellvertretende Vorsitzende: Andrea Knappe
Kassierer: Alexander Messmer
Beisitzer: Anneliese Heise und Hartmut Gänß